Greene, Thomas M. „Ben Jonson and the Centred Self“ in Studies of English Literature, 1500-1900, Vol. 10 / No. 2 (Spring 1970)
(325) Für Ben Jonson repräsentiere der Kreis Perfektion und Harmonie. In seinen Texten versuche er die Kreisfragmente seiner Gegenwart wieder „rund“ zu machen. (326) Der Kreis bringt gleichzeitig künstlerische Autonomie zum Ausdruck.
In Jonson, the associations of the circle-as metaphysical, political, and moral ideal, as proportion and equilibrium, as cosmos, realm, society, estate, marriage, harmonious soul-are doubled by the associations of a center-governor, participant, house, inner self, identity, or, when the outer circle is broken, as lonely critic and selfreliant solitary. Center and circle be come symbols, not only of harmony and completeness but of stability, repose, fixation, duration, and the incompleted circle, uncentered and misshapen, comes to symbolize a flux or a mobility, grotesquely or dazzlingly fluid.
Kreis und Mittelpunkt, so Greene, stehen für Stabilität, Dauer oder Standfestigkeit, während die Fragmente eines Kreises den Fluss und nie endend wollende Bewegung repräsentieren. Viele Figuren seiner Theatertexte können hinsichtlich ihrer Kreisbewegung beschrieben werden. Entweder beziehen sie sich kontinuierlich auf einen Mittelpunkt oder sie bewegen sich frei und abrupt. Diese Opposition scheint absoluten moralischen Positionen zu entsprechen, nach denen die freie Bewegung als Ausdruck des Lasters erscheint. (328 ) Als Ideal der Perfektion steht der Kreis für ein inneres Gleichgewicht, das durch Leidenschaften und Humours nicht berührt wird. (329) In Epigrammen, Satiren etc. von Ben Jonson kommt dieses Ideal weniger selbstbewusst zum Ausdruck. Der Kreis erscheint als gefährdetes Ideal. Der Umkreis wird durch die vier Wände des eigenen Heimes repräsentiert. Lobgedichte heben positiv hervor, wenn der Angesprochene zu Hause blieb und nicht in die Fremde aufbrach. Die Selbstautonomie kann nur in Abgrenzung zur Welt behauptet werden. (326, 331) Die Masks von Ben Jonsons bringen dagegen die Einstellung zum Ausdruck, dass der Hof, das aktive Leben, Zentrum der Perfektion sein könne. Aus dieser gesamtgesellschaftlichen Vision wird in den Gedichten eine individuelle Perspektive. (333) Die Vorstellung des zentrierten Selbst findet sich ebenso in den Discoveries, die der Urteilskraft eine dominante Stellung einräumen. Der Imagination wird eine periphäre Rolle zugewiesen. Ihr fehlt es an Beständigkeit. (343) Greene überführt seine Ergebnisse in eine von der historischen Anthropologie geprägten Perspektive. Die kontinentale Renaissance hätte zwei Konzepte von Mobilität formuliert. Einerseits wird versprochen, dass jeder Rollen selbst auswählen kann und es möglich ist selbstbestimmt Erfahrungen zu sammeln. Andererseits wird insbesondere im Renaissanceplatonismus die Möglichkeit betont, dass eine Überschreitung der menschlichen Existenz möglich ist. Die letztere Form wird in der englischen Rezeption stark abgelehnt. Vor diesem Hintergrund ist, so Greene, die Figur „Volpone“ für Ben Jonson eher problematisch, weil sie von dem Wunsch aufzusteigen geprägt ist.