Parfitt, George A.E. „Compromise Classicism: Language and Rhythm in Ben Jonson’s Poetry“ in Studies in English Literature, 1500-1900. Vol 11/ No. 1 (Winter 1971)
(109) Die Geschichte der Forschungen über Ben Jonson wäre durch Mißverständnisse seines Klassizismuses geprägt. Der Beitrag will klären, in welcher Hinsicht sich Jonson an antiken Vorbildern orientiert. Er konzentriert sich auf die Lyrik und beginnt mit der Beschreibung typischer Merkmale. Erstens falle auf, dass die Gedichte sehr sparsam mit Bildlichkeit umgehen. Eine imaginative Rezeption wird am häufigsten durch den figurativen Gebrauch von Verben unterstützt. (110) Werden metaphorische Vergleiche verwendet, bleibt es bei einer Nennung. Die Metaphern werden weder ausgeführt, noch ausgeschmückt. Thematisch beschränkt er sich auf Metaphern aus dem Alltagsleben oder dem Tierreich.
each image is particular and local to a single object or idea, and it illuminates its referent while seldom irradiating surrounding lines.
Daraus ergibt sich der Eindruck, dass es seinen Gedichten an Vitalität fehle. Ein Blick auf die Adjektive scheint den Befund zu bestätigen. Lediglich eine überschaubare Gruppe (famous, great, good, new, old, bright, noble, fair, gracious) wird zur näheren Qualifikation von Gegenständen und Personen verwendet. (111) Die Stärke von Ben Jonsons Versen liegt in seinen Verben, die vor allem physische Handlungen bezeichnen. Aber auch hier stehen Präzision und Einfachheit im Vordergrund. Es fehlt an Emotionalität. (112)
Jonson’s use of a small group of adjectives, the fact that the local meaning of a par ticular word varies little from poem to poem, and the fact that when the adjective refers to some moral attribute or dis tinction it can always be related to one of the poet’s clearly stated ethical beliefs-all these things help to give commonplace words in his verse a solidity and weight of meaning which is far from inert or imprecise.
Die von Ben Jonson verwendete Sprache ist weder anachronistisch, noch modisch. (113) Für ihn bilde die Alltagssprache den Maßstab für eine sprachliche Äußerung. (114f) Im Unterschied zu späteren Dichtern liegt der ästhetische Schwerpunkt nicht auf dem Reim. Das Reimwort schließt die Bedeutung einer Zeile nicht ab, sondern innerhalb einer Zeile kann es in sich geschlossene Bedeutungseinheiten geben. (116) Vergleichbare Präferenzen finden sich bei Wyatt, Gascoigne, Turberville und Greville, die ebenfalls im „plain style“ dichteten. Vorbilder müssen nicht erst unter den römischen Dichtern gesucht werden. Er verzichtet zum Beispiel auf mythische und historische Vergleiche, wie sie für die römische Dichtung typisch waren. Dafür bezieht er sich, ähnlich seinen Zeitgenossen, auf die Tierwelt oder sexuelle Verhaltensweisen. Auch die Kürze seiner metaphorischen Vergleiche lässt sich nicht mit einem Verweis auf antike Vorbilder klären. (117) Von seiner Gegenwart, z.B. John Marston, unterscheidet Jonson dagegen, dass er eine weniger gewaltätige und bizarre Sprache verwendet. Zudem behält er die Syntax der Alltagskommunikation bei, während Marston sich durch Kompression oder Rhythmenwechsel von ihr entfernt. (119) Trotzdem argumentiert Parfitt, dass Jonson in Bezug auf Sprache, Rhythmus und Syntax Merkmale der lyrischen Praxis seiner Zeit aufweist. Jonson ignoriert jedoch weitesgehend den Wortklang als ästhetische Qualität von Dichtung. Des Weiteren stellt die Diskrepanz zwischen Vers und Bedeutungseinheit eine Spezifik dar. Sie ergbit sich aus der theoretischen Forderung, die Bedeutung über die Form zu stellen.
Jonson is unusual in the degree to which he varies his patterns of stress and plays verse rhythm against speech rhythm so that the result is a poetry in which the arrangement of words within the line is unusually important.
Ziel dieser Strategie wäre es, die Bedeutung einer Textzeile einzugrenzen und so die Rezeption des Lesers zu steuern. Die Bedeutungseinheiten werden vor einer „Übernahme“ durch die Form geschützt. (120) Möglicherweise versuche Jonson so eine Eigenart römischer Dichkunst im Englischen wiederzugeben. (121) In der lateinischen Dichtung gäbe es eine vergleichbare Spannung zwischen der ästhetischen Form, in der es auf die Abfolge Silben ankommt und dem Inhalt, der durch die Syntax gesteuert wird.
The habit of isolating a word or phrase by careful use of rhythm and punctuation allows Jonson an effect similar to that which a Latin poet could achieve by separating adjective from noun or verb from object, while the use made of contrast between verse and speech rhythms corresponds to the tension in Latin between the demands of quantity and those of syntax.