Duhamel, P. Albert. „The Ciceronianism of Gabriel Harvey“. Studies in Philology. 49 (1952)
(155) Der Fokus des Beitrages liegt auf Gabriel Harveys rhetorischer Praxis in seinen publizierten Reden: Rhetor und Ciceronianus. Im Ciceronianus beschreibt Harvey, dass er Cicero fast wörtlich imitiert habe. (156) Nach der Lektüre von Ramus gleichnamigen Buch versuche er nun eher dem Geist und den von Cicero aufgestellten Prinzipien zu folgen. In seinen Reden lässt sich nun feststellen, dass er Ramus in dessen Skepsis gegenüber Cicero nicht immer folgt. (157) Er beschreibt, dass er weder Wortwahl, Satzstruktur und Rhythmus, noch typische Sätze von Cicero verwendet. Duhamel arbeitet jedoch heraus, dass er im Rhetor in allen vier Punkten Cicero nachahmt. Er benutzt Wörter wie „quanquam“ oder Stilmittel, z.B. rhetorische Fragen, die auch in Ciceros Texten oft zu finden sind. Des Weiteren sind im Rhetor Sätze häufig, wie im Vorbild, antithetisch aufeinander bezogen. Schließlich finden sich auch ganze Teilsätze, wie „esse videbatur“. ( 158 ) Im Unterschied dazu, lassen sich im Ciceronianus wesentlich mehr Übereinstimmungen mit der Theorie feststellen. Harvey bewegt sich auf einen einfachen Stil zu, der versucht, die Gedanken klar auszudrücken. Rhetorische Figuren werden vermieden. Insbesondere wird auf die Amplifizierung von Argumenten verzichtet. (159ff.) Dahinter stehe eine veränderte Einstellung gegenüber der Definition des Redners. Gute Redefähigkeiten resultieren, so die Position Harveys, aus einer umfassenden Bildung und nicht aus einer meisterhaften Beherrschung rhetorischer Kniffe. Die wichtigste Grundlage für Harvey ist die Logik. Rhetorische Figuren, die Ausschmückung der Gedanken, werden als nebensächlich betrachtet und statt dessen der direkte Ausdruck bevorzugt. Demzufolge werde im Ciceroniansus kaum von Amplifikationen Gebrauch gemacht. Diese Art der Satzbildung wurde von den Ramisten als „nervosus“, „sinewy“ oder „energetic“ beschrieben. Mehrere Passagen widmet Duhamel der Analyse des Einsatzes von „clausulae“, einer für Cicero typischen Satzform. „…regular cadences consisting of metrical feet which make the end of sentences, or parts of prose sentences (163).“ Schließlich diskutiert er die Darstellung von Harveys rhetorischer Praxis in dem Stück Pedantius. Die Satire fokussiert auf die ausschweifende Zitation antiker Autoren, als ob Harvey nicht selbst, sondern für sich sprechen lässt. Implizit wird damit auch eine mangelhafte Argumentation verurteilt. Des Weiteren wird ihm die Vorliebe für klingende Wörter vorgehalten. Er wird eher mit dem Stil des Rhetors assoziert.