Wright, Louis B. The Reading of Renaissance English Women. Studies in Philology. 28 (1931)
Elizabethanische Frauen, insbesondere hohe Adlige, gehörten von Beginn an zur literarischen Öffentlichkeit. Die Lesefähigkeit von Frauen, so die Autorin, wurde bisweilen starkt unterschätzt. Frauen besuchten einfache Schulen und wurden von privaten Hauslehrern unterricht. Die Bildungsreformer gehen mit Selbstverständlichkeit davon aus, dass Frauen lesen können. Manche unter ihnen wollen bestimmte Lektüren verbieten. Ovid und Virgil sollten ihnen nicht erlaubt werden. Der aufkommende Puritanismus erhöhte am Ende des 16. Jahrhunderts dann die Alphabetisierung der unteren Schichten. Konkrete Beispiele aus dieser sozialen Gruppe sind selten überliefert. Frauen der gesellschaftlichen Elite lasen viele fromme Texte: Predigtsammlungen, Gebete oder Trostbücher. Einige, spezifisch für Frauen verfasste Bücher beschäftigen sich mit Haushaltsführung, u.a. mit Erster Hilfe oder Kräuterkunde. Kochbücher waren ebenfalls bekannt. Zum Vergnügen wurden anscheinend John Lyly, Robert Greene oder Ritterromane gelesen. Diese abenteuerlichen Liebesgeschichten erreichten auch Dienstmädchen oder bürgerliche Schichten. Auch Liebesgedichte oder Balladen fanden Anklang beim weiblichen Publikum.