Burnett, Mark Thornton. Apprentice Literature and the ‘Crisis” of 1590s. Yearbook of English Studies. 21/1991
Der Artikel will versuchen, eine zahlende Publikumsschicht als Patron für Kunst zu betrachten. Die Herausbildung einer literarischen Öffentlichkeit befreite die Autoren aus der Abhängigkeit von einzelnen Mäzenanten und übte Einfluss auf die Ästhetik der Texte aus. Burnett interessiert sich besonders für die Lehrlinge, die aufgrund ihrer Alphabetisierungsrate einen hohen Anteil am Publikum hatten. Der erste Teil der Studie beschäftigt sich mit dem Bild, welches die Literatur von den Lehrlingen zeichnet. Die Beziehung zwischen Meister und Lehrling wurde oft als Beispiel für eine pflichtbewusste Lebensführung genommen. Das Lehrlingsleben wurde zudem als Möglichkeit beschrieben, Ehre und Reichtum zu erlangen. Geschichten in denen ein Lehrling zum Bürgermeister aufsteigt oder heldenhafte Taten vollbringt, waren nicht selten. Andere sahen in Lehrlingen eine Bedrohung der bestehenden Ordnung, weil sie scheinbar grundlos gegen Meister und gesellschaftliche Institutionen rebellierten. Ihr hitziges Temperament konnte als Ausdruck von “Simplicity” gelesen werden. Der Ärger mag maßlos erscheinen, beruhte jedoch möglicherweise auf einer gerechten Empörung, welche die gesellschaftliche Ordnung wieder herstellte. Lehrlinge erscheinen in diesem Kontext als Prototypen des Bürgerlichen, was in der Konfrontation mit anderen Gesellschaftsschichtem, wie den adligen “gallants” und den Fremden, vertieft wurde. Der zweite Teil ergänzt diesen Überblick mit kulturgeschichtlichen Untersuchungen, welche die soziale Stellung der Lehrlingen ermitteln und so gesellschaftliche Probleme aufzeigen, die der literarischen Bearbeitung zu Grunde liegen könnten.