Dundas, Judith. Levity and Grace: The Poetry of Sacred Wit. Yearbook of English Studies 2/1972
Der Artikel beschäftigt sich mit dem Gegensatz von „wit“ und „faith“, der in der religiösen Dichtung des 17. Jahrhunderts Anlass zu Reflektionen und Auseinandersetzungen gab. Mit dem Wort „wit“, so die Autorin, wurde der dichterische Erfindungsgeist beschrieben. Nach der Auffassung von Sir Philip Sidney stehen Studium und Erfindergeist im Konflikt. Wahre Innovation folgt keinen Regeln. Eine solche Ansicht musste moralphilosophischen Widerspruch ernten. Dichtung erschien durch die Ablehnung von Regeln unkontrollierbar. Die Ablehnung wurde zudem als Rückfall in eine rein natürliche Lebensweise missverstanden. Die Texte des 16. und 17. Jahrhunderts werden nicht müde, die Narrheit eines solchen Handelns zu betonen. Diese Wahrnehmung erzeugte im religiösen Diskurs Skepsis gegenüber der Dichtkunst. Eine Ausgrenzung war allerdings nicht möglich. Dichtung und Gotteserkenntnis beruhten auf ähnlichen Prinzipien. Auch Gottes Wirken entzog sich dem rationalem Erklären und konnte nur über Bilder und ihre Deutung verstanden werden. Aus der Perspektive der Religion scheint „Wit“ eine andere Bedeutung zu erhalten. Es wird als technisches Vermögen, als Interpretationsverfahren begriffen. Dichtung wird als Mittel gesehen, um den Glauben zu befördern. Für Dundas ist religiöse Dichtkunst von dem Leitgedanken geprägt, zwischen irrationalen und rationalen Zugangsweisen abzuwägen, eine Balance zwischen Glauben und „wit“ zu finden. In dem Artikel geraten zwei Wortbedeutungen von „wit“ durcheinander. Sidney hat „wit“ durchaus irrational begründet, nicht als natürliches, sondern als göttliches Vermögen. Erst die Reaktionen auf diese Position, die mit einer Bedeutungsverschiebung im Begriff „wit“ einhergehen, setzen „wit“ mit den poetischen Techniken gleich. Aus einem Konzept, dass eine Vorraussetzung für Dichtung beschreibt, wird eine Bezeichnung für Dichtung überhaupt.