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Lievsay, John Leon. “Robert Greene, Master of Arts, and Mayster Steeven Guazzo”. in Studies in Philology. 36 (1939)

Der Artikel beschäftigt sich mit der Art und dem Ausmaß der Rezeption Robert Greenes von Stefano Guazzos Cicvil Conversatione. Mamilla ist der früheste Text, der von diesem Dialog profitiert und sowohl Konzepte, als auch sprachliche Wendungen rezepiert. Greenes Satire der Mode italienischer Gentlemen seiner Zeit, die ihre Gebrechen und körperlichen Fehler mit Kleidung zu verbergen suchen, scheint sich gegen Guazzos Befürwortung solcher Praktiken zu richten. Dagegen sind sich beide Autoren in der Beschreibung von Schönheit als überwältigende Macht einig. Sie fordern auch auf, Vergnügen zu meiden, um nicht von Tugend abzuweichen. Eine sprachliche Entlehnung ist möglicherweise die Zeile :” Choose not by the eye Mamillia, but by the eare…”, welche Guazzos Ratschlag, dass der Gegenstand der Liebe an seinen Worten und nicht an seinem Aussehen gemessen werden soll, aufgreife. Auf diese Weise stellt der Text Passagen aus beiden Texten gegenüber und zeigt Korrespondenzen auf. Direkte Zitate finden sich selten, so dass meiner Ansicht nach offen bleibt, ob Greene tatsächlich von Guazzo borgt oder nicht Beide Teil eines Diskurses sind, der ihnen ähnliche Aussagen zur Verfügung stellt.

Steinberg, Theodore L. “The Anatomy of Euphues”. in Studies in English Literature, 1500-1900. 17:1 (1977:Winter)

Welche literarischen Qualitäten hat John Lylys Text, der meistens als Sprachspielerei oder rein moralisches Traktat betrachtet wird? Der Text sei in die Tradition der “Courtesy Books” zu stellen, die ideales Verhalten an exemplarischen Figuren vorführen. Euphues:The Anatomy of Wyt sei eine Parodie dieser Buchgattung und “Euphues” eine Parodie eines solchen anthropomorphen Idealbilds. Er rezitiert tugendhafte Positionen, aber übt keine Tugend aus. Steinberg behauptet, dass Lyly mit dem Text ein Anti-Courtesy Book verfasst habe. Er stützt seine These auf die Ambivalenz, mit der der Text “Wyt” darstellt resp. anatomisiert. Bereits das erste Vorwort unterscheidet zwischen “wit” und “fine wits”. Auf wen oder was bezieht sich der Begriff? Ebenso unklar ist die moralische Beurteilung der Figur. Ist Euphues “wittie” oder “wicked”? Inwiefern hat er im Verlauf der Handlung Weisheit erworben? Selbst als er später Ratschläge zur Erziehung der Jugend in Briefen vermittelt, bleiben seine moralischen Fehler aus dem ersten Teil gegenwärtig. Schon strukturell hinterfrage die Figur kontinuierlich die Ideale und Ziele des Diskurs der Courtesy Books. Hinzu kommen Ansichten, wie z.B., dass man zwei Frauen lieben soll, um nicht vom Verlangen überwältigt zu werden, die den Werten der höfischen Literatur widersprechen.

Wright, Celeste Turner. “Some Conventions regarding the usurer in Elizabethan Literature”. in Studies in Philology. 31 (1934)

Literarische Darstellungskonventionen, den Figurentyp des Wucherers betreffend, stehen in diesem Beitrag im Vordergrund. Die Darstellungen betonen eintönig die moralische Verwerflichkeit des Geldverleihens.
Typischerweise ist der Wucherer in der Literatur ein alter Mann. “Avaritia”, Geiz und Habsucht, sind nach der Meinung der Zeit vor allem im Alter dominant. In Theatertexten wirbt er meistens um eine junge Frau. Durch Liebe fühlt er sich wieder jung, was ein Zeichen für den zunehmenden Verlust von “realistischer” Selbsteinschätzung und sein Leben außerhalb gesellschaftlicher Ordnung ist. Seine Heiratsabsichten werden kritisiert. Er hat nichts, was eine junge Frau reizen könnte. Er hustet und ist hässlich. Sein Körper wird von Wassersucht (dropsy) und Gicht (gout) geplagt. Wassersucht symbolisiert seinen unstillbaren Hunger nach Gold. Er trinkt und trinkt, aber sein Durst wird nie gestillt. Als Strafe in der Hölle ist für ihn das kontinuierliche Trinken von flüssigem Gold vorgesehen. Gicht bewirkt bei ihm vor allem schlechte Laune.
Heilung wäre nur möglich, wenn er Diät halten würde, d.h. seinen Gewinn zurückzahlt und Geld nicht anhäuft. Stattdessen hat einen riesigen Appetit. Mit Vorliebe lädt er sich bei seinen Nachbarn und Schuldnern ein, um die Kosten für das Wirtshaus zu sparen. Jedoch ist er manchmal auch mager, weil er zu Hause hungert. Ärzte der Zeit empfehlen, ihm fette Suppen zu geben, damit er das Fälligkeitsdatum seiner Wechsel vergisst. Als Gastgeber zählt der Wucherer jedes Glas, das getrunken wird. Anderen hält er vor, dass sie zu spendabel sind. Er wird für den Verfall der Gastfreundschaft verantwortlich gemacht. Er verbreitet Misanthrophie.
Seine Diener leben schlecht und hungern oft. Sie trinken gern, weil es ihnen verboten ist.
Er selbst kleidet sich in Fuchspelze, was auf seine Hinterlistigkeit deutet. Gleichzeitig scheint es darauf zu verweisen, dass er sich am Reichtum und den Distinktionsmitteln des Adels bereichert. Da Geldverleihen als Diebstahl gilt, repräsentiert der Fuchs auch seinen räuberischen Lebensstil. Jener wird auch mit dem Leben der Dronen verglichen, die von der Arbeit Anderer leben. Wucher müssen sich vor einem schrecklichen Ende fürchten. Die meisten kommen durch den Strick um. Hängen wurde als Strafe für Wucherei betrachtet, weil Judas auf diese Weise seinen Verrat an Jesus büßen musste.

Wright, Celeste Turner. “The Usurer’s Sin in Elizabethan Literature”. in Studies in Philology. 35( 1938 )

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts, so die Autorin, würden im Rahmen der Rechtssprechung die mittelalterlichen Vorurteile gegenüber dem Geldverleihen zunehmend ignoriert. [Das Wort "Usurer" lässt sich nur schwer mit einem Wort ins Deutsche übersetzen. "Wucherer" bietet sich an, aber gibt nur ungenügend die negativen Bedeutungen wieder. Der Wucherer verleiht nicht nur Geld zu unmenschlichen Konditionen, sondern ist auch durch avaritia - Geiz und Habsucht - gekennzeichnet.] Die literarischen Texte reflektieren die neuen Einstellungen fast gar nicht. Die Vorstellungen über den Beruf folgen den alten Vorurteilen.

Geld verleihen wurde für unnatürlich gehalten. Als ein totes Produkt, war es für die zeitgenössische Kritik undenkbar, dass es sich vermehrt. Manchmal wurde der Wucherer mit einem Zuhälter verglichen, der ein Bordell für “Lady Pecunia” unterhält und von der Wolllust des Metalls lebt. Ihm wurde auch Gottlosigkeit vorgeworfen, weil er Geld mehr als Gott verehrte oder es abgöttisch liebte. Gleichsam wird seine Habsucht als Misstrauen gegenüber der göttlichen Vorsehung betrachtet. Der Wucherer ähnle einem Schwein, dass ständig frisst, aber nie zum Himmel schaut. Weiterhin wurde er als Müßiggänger verschrieen, weil er von der Arbeit Anderer lebe. Der Vielfalt der Kritik entspricht ein heterogenes Negativbild des Wuchererlebens. Seine Abhängigkeit vom Geld stempelt ihn zu einem Sklaven, der in Armut und Unruhe lebt. Er gibt weder Geld aus, noch kann er nachts wegen der angehäuften Reichtümer schlafen. Ständig muss er in Furcht vor der Rache seiner Mitmenschen leben. Visionen von zugrunde gerichteten Witwen und Waisen erschüttern sein Gewissen. Sein Geld wird für unehrenhaft gehalten. Er selbst gilt als schlechter Heiratskandidat. Hat er dennoch eine Frau, muss er sich über den Nachwuchs ärgern. Seine Kinder sind Narren oder Verschwender. Heilung verspricht nur die Wiedergutmachung. Der Geldverleiher sollte seinen Gewinn wieder zurückzahlen, um seiner himmlischen Strafe zu entgehen. Spenden an gemeinnützige Institutionen sind ebenfalls möglich.

Draper, John W.”The Melancholy Duke Orsino”. in Institute of the History of Medicine Bulletin. 6 (193 8)

“Duke Orsino” in Twelfth Night erfüllt alle Voraussetzungen aus Robert Burtons Anatomy of Melancholy, um melancholisch zu werden. Er ist jung, in der Büte seiner Jahre, nobel und lebt ohne sinnvolle Beschäftigung. Zudem wird seine Liebe von “Olivia” nicht erwiedert. Der Theatertext greife typische Beschreibungsmuster auf. Melancholie wird durch die Augen ausgelöst und befällt Leber, Herz und Gehirn. Sie verursacht Schmerzen und wird als verzehrendes Feuer erfahren. Dauert die Krankheit an, verändert sich die bisherige Lebensweise. “Orsino” wird unzivilisiert, wechselhaft und sucht die Einsamkeit. Mögliche Linderung verspricht das Jagen oder ein Gespräch mit einem Freund. Gelingt es die Liebe auf jemand anderen zu lenken, ist sogar Heilung möglich. Shakespeares Darstellung beschreibe lediglich die physische Verfassung des Liebenden. Motive platonischer oder höfische Liebe würden sich im Text nicht finden, ist die Ansicht des Autors.

Teagarden, Lucetta J. “The Dekker-Middleton Problem in Michaelmas Term“. in Texas University Studies in English. 26 (1947)

Der Beitrag beschäftigt sich mit einer möglichen Kollaboration von Thomas Dekker und Thomas Middleton. Die Autorin nimmt aufgrund eines Hinweises in Philip Henslowes Tagebuch an, dass beide Schriftsteller spätestens seit 1602 für nahezu 10 Jahre gelegentlich zusammengearbeitet haben. Das bekannteste Resultat ihres Austausches ist der Theatertext The Roaring Girl (1611) über die Transvestitin Moll Cutpurse. Schnittpunkte zwischen Beiden ergaben sich möglicherweise durch ihren satirischen Blick auf das Londonder Alltagsleben, insbesondere auf die Arbeitsweisen von Kleinkriminellen. Dekker verarbeitete entsprechende Beobachtungen in Pamphleten, während Middleton Theatertexte verfasste. Michaelmas Term beschreibt den Versuch eines Geldgierigen, einen jungen Adligen, um sein ererbtes Land zu bringen. Eine identische Geschichte findet sich in Thomas Dekkers Lanthorne and Candlelight, dem zweiten Teil von The Belman of London. Neben verschiedenen Einzelheiten - der junge Mann wird am Würfeltisch betrogen - übernimmt anscheinend Middleton die von Dekker beschriebene Konstellation einer dafür typischen Verbrecherbande. Die Abhängigkeit Middletons von Dekker steht auf wackligen Füßen, denn sein Text erschien später als die Aufführung. Die Autorin schlägt vor, dass beide zuvor über das Thema gesprochen haben und hält an Dekkers prägenden Einfluss, aufgrund seiner realistischeren Darstellungen, fest.

Nashe und Lyly

Best, Michael R. “Nashe, Lyly, and Summer’s Last Will and Testament”. in Philological Quaterly. 48:1 (1969: Jan)

Thomas Nashes Verhältnis zu John Lyly ist ambivalent. Den Mitstreiter in der Marprelate-Kontroverse behandelt er mit Samthandschauen. Dem Vertreter des Euphuismus begegnet er mit Skepsis und Kritik. Davon zeugt möglicherweise Nashes Summer’s Last Will and Testament. Die Aufführung erfolgte ein Jahr nach dem Verbot der Children of St.Paul (1591) durch eine nicht näher bekannte Gruppe von Kinderschauspielern in der Provinz. Im Text finden sich einige Anmerkungen der Figur “Summers”, welche die Erwachsenenimitationen in Frage stellen. Er mockiert sich beispielsweise über die Kostüme der Darsteller. Für den Euphuismus typische Formen des Argumentierens werden im Text übernommen, aber indirekte Allegorien aufgelöst. Nashe scheint den Stil seines Vorgängers zu parodieren und die allgemeine Kritik des Euphuismus mit seinen weithergeholten und erfundenen Beispielen zu unterstützen. Michael R. Best nimmt an, das Nashe einen Plot oder einen Text von Lyly vorliegen hatte, von dem er Teile beibehielt und sie mit seinem Stil konfrontierte.

McNeir. Waldo F. “Traditional Elements of the Character of Greene’s Friar Bacon”. in Studies in Philology. 45(194 8)

In Friar Bacon and Friar Bungay (1589) porträtiert Robert Greene mit Friar Bacon eine den Elisabethanern gut bekannte Gestalt. Der Philosoph und Wissenschaftler Roger Bacon aus dem 13. Jahrhundert war, wegen der ihm nachgesagten magischen Fähigkeiten, anscheinend bereits vorher Gegenstand von Volksbüchern und mündlichen Erzählungen geworden. Zwischen dem Theatertext und einer in einer späteren Fassung vorliegenden Romanze gibt es viele Gemeinsamkeiten. Die Gestaltung der Figur orientiert sich jedoch, darauf liegt der Schwerpunkt des Beitrags, an mittelalterlichen Ritterromanen, an Figuren wie z.B. “Merlin” oder “Maugis” (Die vier Haimondskinder). Greene vermeidet groteske Elemente, wie sie das Volksbuch kennt, beispielsweise die Überlistung des Teufels. Anstelle einer einfachen Herkunft ist “Friar Bacon” von Adel. Er steht auf einer Stufe mit Prinzen und Königen. Ebenso widerspricht seine Gelehrsamkeit der populären Ablehnung der Universitätsbildung. Er ist kein Volksheld. Die ihm zugeschriebenen Kräfte folgen ebenfalls den mittelalterlichen Vorbildern. Der Schwerpunkt liegt auf der Beherrschung des Raumes und den prophetischen Kräften der Figur. “Friar Bacon” kann Nahrung durch Magie erzeugen, Liebe beeinflussen und kriegerische Armeen paralysieren. Er erscheint als magischer Wohltäter der Menschheit, als “Guter Zauber”. Diesem Bild stehen Entwürfe wie Christopher Marlowes “Faust” oder Shakespeares “Sturm” entgegen.

Euphues again

Sternberg, Theodore. “More about Queen Elizabeth’s Euphuism” in Studies in English. 13(1933)

Der Autor knüpft an einen, fünf Jahre zuvor veröffentlichten Beitrag zum selben Thema an. Er möchte seine These, dass Elisabeths Briefe 30 Jahre vor John Lylys Roman Merkmale des Euphuismus aufweisen, mit weiteren Beispielen belegen. Zudem will er zeigen, dass die Stilelemente bis zum Ende ihrer Regierungszeit nachweisbar sind. Des Weiteren macht er auf die Rolle von Thomas Churchyard bei der Prägung des Euphuismus aufmerksam.

Jorgensen, Paul A. “Moral Guidance and Religious Encouragement for the Elizabethan Soldier”. in Huntington Library Quarterly. 13:1 (1949/1950)

In der Renaissance gab es, betrachtet man die überlieferten Texte, ein hohes Interesse für Verhaltensnormen, das inbesondere von der “Mittelklasse” ausging. Viel Aufmerksamkeit erhielten auch Soldaten. Kriege wurde als Gegensatz zur zivilen Ordnung, als Barbarei empfunden. Als Existenzgrundlage scheinen sie, in den Augen der Zeit, zu Exzessen in Aussehen und Verhalten zu führen. Zahlungsunregelmäßigkeiten beim Sold machen die Lebensweise von Plünderungen abhängig. Kritisch werden die Rekrutierungsmethoden betrachtet. Viele Soldaten werden in den Dienst gepresst. Die frühneuzeitlichen Armeen bestehen zum großen Teil aus Trinkern und Kleinkriminellen. Diese Soldaten kennen weder Ehre noch Gesetze. Trotzdem spielen Gesetze eine wichtige Rolle bei der Disziplinierung des Krieges. Über den Erfolg dieser Maßnahmen gibt es unterschiedliche zeitgenössische Einschätzungen. Möglicherweise veröffentlichen Soldaten und Moralisten aufgrund der mangelnden Wirksamkeit Texte über angemessenes Verhalten und kriegerische Ideale. Der Beitrag bespricht nun chronologisch einige dieser Texte: Geffrey Gates The Defence of Militarie Profession (1579), Thomas Churchyard A Generall Rehearsall of Wares (1579), Barnabe Riche A Path-way to Military Practice (1587) etc. Mit Anerkennung und Lob für den Beruf des Soldaten versuchen die Autoren die Angesprochenen für die Abstellung der Laster zu gewinnen. Theologische Texte legen den Schwerpunkt auf den Zweck des Krieges. Ein gerechter Krieg rechtfertigt nahezu alle Mittel.

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